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Fachkräftemangel – Arbeitsrealität, Lüge oder drohende Zukunft?

Unsere gesellschaftliche Realität ändert sich zusehends. In Zeiten des Klimawandels beeinflussen Energie- und Mobilitätswende die Art, wie wir leben und arbeiten, sowohl im globalen als auch im nationalen Maßstab massiv. In den etablierten Industrienationen kommt ein weiterer Faktor hinzu, der zu ökonomischen Herausforderungen führt: der Fachkräftemangel. 


Als direkte Folge des demografischen Wandels ist er Bestandteil erhitzter wirtschaftspolitischer Diskussionen. Hauptstreitpunkt: Ist der Fachkräftemangel bei Ingenieuren bereits Alltag, zeigt er sich erst in der Zukunft oder ist er letztlich eine Lüge und Nebelkerze, um von tieferliegenden Problemen abzulenken?

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Fachkräftemangel betrifft nahezu alle Branchen – allerdings unterschiedlich stark.
  • Er hemmt auch im Bauwesen Wachstum und Effizienz.
  • Digitalisierung kann die Auswirkungen zumindest abmildern.


Was sind die Auswirkungen des Fachkräftemangels?


Auch wenn er phasenweise bestritten und als Lüge abgetan wird, ist der Fachkräfte- bzw. Ingenieurmangel tatsächlich ein drängendes Problem, das viele Wirtschaftsbereiche betrifft und weitreichende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hat:

  • Wirtschaftswachstum: Ein Arbeitskräftemangel kann das Wachstum nachhaltig bremsen. Unternehmen, die nicht genügend Fachkräfte finden, können ihre Kapazitäten nicht voll ausschöpfen, was zu reduzierten Produktionsmengen und Dienstleistungen führt.
  • Wettbewerbsfähigkeit: Insbesondere der Ingenieurmangel beeinträchtigt zusätzlich die Innovationsfähigkeit von Unternehmen. Neue Ideen und Technologien entstehen oft durch talentierte Mitarbeiter, ohne sie können Unternehmen Schwierigkeiten haben, im globalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.
  • Steigende Arbeitskosten: Die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften kann die Löhne in die Höhe treiben, was besonders in hochspezialisierten Branchen spürbar ist. Dies führt wiederum zu höheren Preisen für Produkte und Dienstleistungen – ein Aspekt in der aktuell hohen Inflation.
  • Arbeitsmarktungleichgewichte: Bestimmte Branchen oder Regionen sind stärker vom Fachkräftemangel betroffen, was zu Ungleichgewichten auf dem Arbeitsmarkt führt. Dies begünstigt eine ungleiche geografische Verteilung von Arbeitsplätzen und Wohlstand.
  • Internationale Arbeitsmigration: Um den Fachkräftemangel zu bewältigen, setzen viele Länder vermehrt auf internationale Anwerbung. Das kann jedoch oft zu besonderen Integrationsherausforderungen führen.
  • Arbeitsbelastung für bestehende Mitarbeiter: Unbesetzte Positionen resultieren oft in einer erhöhten Arbeitsbelastung für die vorhandenen Mitarbeiter, was wiederum die Mitarbeiterzufriedenheit und -gesundheit nachhaltig beeinträchtigen kann.


Der Fachkräftemangel ist also keineswegs ein Fantasiekonstrukt oder eine theoretisierte Lüge, sondern betrifft nahezu alle Aspekte des Wirtschaftslebens in steigendem Ausmaß. Abseits konkreter Fragen, wie zum Beispiel die nach dem Nutzen von BIM-Software in der Baupraxis, ist er im Bauwesen längst ein bestimmender Diskussionspunkt.


Gibt es den Fachkräftemangel überhaupt?


Die Debatte ist zu komplex für einfache Antworten. Dementsprechend hilft bei dieser Frage nur eine differenzierte und vor allem sachliche Betrachtungsweise:

  • Branchenspezifische Unterschiede: In einigen Sektoren, wie der IT, im Gesundheitswesen oder im Handwerk, ist der Mangel an qualifizierten Fachkräften deutlich spürbar. Hier gibt es konkrete Belege für unbesetzte Stellen und Schwierigkeiten bei der Personalrekrutierung. In anderen Branchen hingegen ist das Phänomen weniger ausgeprägt oder nicht vorhanden.
  • Regionale Unterschiede: In manchen Regionen, besonders in städtischen Gebieten mit einer hohen Dichte an Technologieunternehmen, ist der Fachkräftemangel spürbarer als in ländlichen Regionen. Diese geografischen Unterschiede sind ein wichtiger Faktor in der Diskussion um den Ingenieurmangel.
  • Lohn- und Arbeitsbedingungen: Einige Experten argumentieren, dass der vermeintliche Fachkräftemangel teilweise auf unattraktive Lohn- und Arbeitsbedingungen zurückzuführen ist. Bessere Bezahlung und Arbeitskonditionen könnten für Abhilfe sorgen.
  • Demografischer Wandel: In vielen Ländern führt die alternde Bevölkerung zu einem Mangel an Arbeitskräften. Je nach Ausprägung des demografischen Wandels beeinflusst dieser den Fachkräftemangel in der Industrie folglich unterschiedlich stark. 


Strategien im Bauwesen zur Vorbeugung des Ingenieurmangels


Komplexe Fragestellungen brauchen eine ebenso vielschichtige Strategie – mit nur einer Einzelmaßnahme lässt sich der Personalmangel insbesondere bei Ingenieuren in Deutschland kaum beseitigen. Von der Bundesagentur für Arbeit bis zum einzelnen Bauunternehmen bedarf es unterschiedlicher Akteure und Ansätze, um den Folgen des Fachkräftemangels vorzubeugen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Spezifische Aus- und Weiterbildungsprogramme: Dies umfasst die Förderung technischer Fertigkeiten, aber auch Kenntnisse in Bereichen wie nachhaltiges Bauen, Energie, Elektrotechnik und digitale Technologien.
  • Digitalisierung: Der Einsatz moderner Technologien wie Building Information Modeling (BIM), Drohnen, 3D-Druck und digitale Projektmanagement-Tools verbessert die Effizienz nachhaltig. Spezialisierte Software wie Viewpoint For Projects erleichtert die Projektorganisation und erhöht damit die Arbeitsattraktivität für Bauingenieure der Zukunft.
  • Förderung von Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz: Im Bauwesen ist die körperliche Belastung oft hoch. Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und zur Verringerung der körperlichen Belastung können helfen, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.
  • Anwerbung und Integration von Fachkräften aus dem Ausland: Internationale Rekrutierung kann helfen, den Fachkräftemangel kurzfristig zu mildern. Gleichzeitig ist es wichtig, Integrationsprogramme anzubieten, die ausländische Fachkräfte den Einstieg in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft erleichtern und die angeworbenen Fachkräfte nicht direkt wieder zu verlieren. 
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen: Wettbewerbsfähige Löhne und gute Arbeitsbedingungen sind essenziell, um im hart umkämpften Arbeitsmarkt für Ingenieure zu bestehen. Flexible Arbeitszeitmodelle wirken zusätzlich attraktiv.

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Fazit – Fachkräftemangel – Lüge oder vielschichtiges Problem?


Den Fachkräftemangel einfach als Lüge abzutun, wird dem Problem nicht gerecht. Denn er ist ein vielschichtiges Problem, das sowohl branchenübergreifende als auch branchenspezifische Lösungsansätze erfordert.


Insbesondere im Bauwesen sind spezifische Strategien wie die Förderung von Gesundheit und Sicherheit, die Nutzung digitaler Tools wie Viewpoint Field View in der Baupraxis und attraktive Arbeitsbedingungen entscheidend.


Nur so können Unternehmen und Branchen dem Fachkräftemangel proaktiv begegnen, zukunftsfähig bleiben und sich dynamisch an die Herausforderungen einer globalisierten und technologiegetriebenen Arbeitswelt anpassen.